Sprache - deutsche redewendungen

Redewendungen machen unser Leben leichter. Im großen Baumarkt der deutschen Sprache sind es gewissermaßen die Fertigbauteile. Und wie beim echten Plattenbau weiß meist keiner, was so im Einzelnen dahintersteckt. Schluss damit.

Was ist überhaupt der Unterschied zwischen Redewendung und Sprichwort?

"Redewendungen" sind feste Wortverbindungen. Ihre Bestandteile können nur schlecht oder gar nicht ausgetauscht werden. Beispiel: "Fettnäpfchen" und "hineintreten". "Sprichwörtliche Redensarten" nennt man bildhafte Ausdrücke, wenn sie ständig im selben Wortlaut wiederholt werden und ihre Bedeutung allgemein bekannt ist. "Sprichwörter" sind ganze Sätze, die meist eine Lebenserfahrung ausdrücken. Also "Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht." und so.

" Da liegt der Hase im Pfeffer "
Bei diesem Hasen dreht es sich nicht um einen lebenden Hoppelmann, sondern um einen als Speise zubereiteten Hasen. "Pfeffer" war früher eine beliebte Soße oder Brühe, die mit Pfeffer und anderen Gewürzen abgeschmeckt wurde, in dieser wurde der Hase eingelegt.

Wichtiger Bestandteil des "Hasenpfeffers" ist Hasenblut, das aber oft durch Rotwein ersetzt wird. Mit der Redensart bezeichnet man ja den Punkt, auf den es bei einer Sache besonders ankommt. Also vergleichbar dem Fleischanteil bei dieser Beize.

"Schindluder treiben"
Ein "Schindluder" war ein todkrankes Tier, das zum Schinder (zum Abdecker) kam. "Luder" hieß das Fleisch von so einem Tier, das als Lockfutter für Raubwild benutzt wurde. "Schindluder" war also ein grobes Schimpfwort, wurde aber auch schon mal scherzhaft benutzt.
Wenn jemand die u. U. derben Späße seiner Freunde satt hat, ruft er aus "ich lass' doch nicht Schindluder mit mir spielen". Er lässt sich also nicht behandeln, wie ein dem Tod geweihtes Tier.

Was schwant mir wenn mir etwas schwant?
Der "Schwan" spielt bei der Floskel durchaus eine Rolle aber ganz verschlüsselt:
Es handelt sich vermutlich um eine gelehrte Scherzübersetzung des lateinischen "olet mihi" = "es ahnt mir"
Im studentisch/scherzhaften Gebrauch wurde das ähnlich klingende "olor" = "Schwan" eingebaut.
Auch in der deutschen Übersetzung ergab sich so ein Gleichklang.

Denk ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um meinen Schlaf gebracht
Das Zitat stammt zwar von Heinrich Heine, aber nicht aus "Deutschland - ein Wintermärchen" sondern aus einem Gedicht:

Nachtgedanken (Heine Heinrich)

Denk ich an Deutschland in der Nacht,
Dann bin ich um den Schlaf gebracht,
Ich kann nicht mehr die Augen schließen.
Und meine heißen Tränen fließen.
Die Jahre kommen und vergehn!
Seit ich die Mutter nicht gesehn,
Zwölf Jahre sind schon hingegangen;
Es wächst mein Sehnen und Verlangen.
Mein Sehnen und Verlangen wächst.
Die alte Frau hat mich behext,
Ich denke immer an die alte,
Die alte Frau, die Gott erhalte!
Die alte Frau hat mich so lieb,
Und in den Briefen, die sie schrieb,
Seh ich, wie ihre Hand gezittert,
Wie tief das Mutterherz erschüttert.
Die Mutter liegt mir stets im Sinn.
Zwölf lange Jahre flossen hin,
Zwölf lange Jahre sind verflossen,
Seit ich sie nicht ans Herz geschlossen.
Deutschland hat ewigen Bestand,
Es ist ein kerngesundes Land;
Mit seinen Eichen, seinen Linden,
Werd ich es immer wiederfinden.
Nach Deutschland lechzt ich nicht so sehr,
Wenn nicht die Mutter dorten wär;
Das Vaterland wird nie verderben,
Jedoch die alte Frau kann sterben.
Seit ich das Land verlassen hab,
So viele sanken dort ins Grab,
Die ich geliebt - wenn ich sie zähle,
So will verbluten meine Seele.
Und zählen muß ich - Mit der Zahl
Schwillt immer höher meine Qual,
Mir ist, als wälzten sich die Leichen
Auf meine Brust - Gottlob! sie weichen!
Gottlob! durch meine Fenster bricht
Französisch heitres Tageslicht;
Es kommt mein Weib, schön wie der Morgen,
Und lächelt fort die deutschen Sorgen.

"mit seinem Latein am Ende sein"
Latein war im Mittelalter die Sprache der Gelehrten. Es wurde auch im übertragenden Sinne für "Wissen" und "Wissenschaft" benutzt. Wer mit seinem Latein am Ende ist ist also mit seinem Wissen am Ende, er weiß nicht mehr weiter.

"jemanden den Hof machen"
Die Redensart bedeutet heute ja "um jemanden werben", meist im Sinne von "sich um Zuneigung bemühen".
Sie leitet sich ab aus den Sitten der feinen Gesellschaft. Der "Hof" war die Umgebung des Fürsten, jeder der ihm diente gehörte zu seinem Hofstaat. Und wer für ihn arbeitete, "machte ihm den Hof". Von der diensteifrigen Art der Höflinge leitete man die Bezeichnung ab für das werbende Huldigen um die Gunst einer angebeteten Person.

"jetzt ist der Groschen gefallen"
Die Redensart hat kommt von den Münzautomaten. Der Groschen löst dort ja einen Mechanismus aus und das wurde mit einem "Denkmechanismus" gleichgesetzt.

"in die Bresche springen"
Der Ausdruck stammt aus dem älteren Kriegswesen. Eine "Bresche" ist eine Lücke in einer Festungsmauer. Ursprung des Wortes ist der Gleiche wie von dem Wort "brechen". Wer in die "Bresche springt" hilft anderen in einer brenzligen Situation, weil er, bildlich gesprochen. eine gefährliche Lücke verteidigt.

"Das schlägt dem Fass die Krone ins Gesicht"
Diese Redensart ist eine Verballhornung, gebildet aus mehreren anderen:
Das schlägt dem Fass den Boden aus
das setzt dem Ganzen die Krone auf
das ist ein Schlag ins Gesicht
Gemeint ist einerseits, dass der Böttcher die Fassreifen zu stark aufschlägt und so der Fassboden herausspringt.
Andererseits wurde früher Weinverkäufern, die schlechten Wein angeboten hatten, die Böden ihrer Fässer zerschlagen, damit sie ihre Ware wirklich niemandem mehr anbieten konnten.

Arsch auf Grundeis
In der Redensart bezieht man sich auf das Losbrechen des Grundeises nach der Frostperiode. Dieses Losbrechen geschieht unter erheblichem Lärm und wird mit den Magengeräuschen verglichen die beim Durchfall als Begleiter von Angst und Feigheit auftreten.

Die Redensart ist seit Mitte des 18. Jhds belegt, aber sicher älter.

Jmd. auf Trab bringen
Bei allen Redewendungen in denen "Trab" oder "Trapp" vorkommt, bezieht man sich auf die schnelle Pferdegangart (s. "Trabrennen"). Im Gegensatz zum "Schritt" ist Trab schon bedeutend zügiger wenn auch nicht so schnell wie Galopp.

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Wie ein Berserker wüten
Im Altnordischen beizeichnete man jemanden voller ungezügelter Angriffswut als Berserker. Eigentlich meinte man damit anfangs nur das Bärenhemd, das der durchschnittliche skandinavische Krieger trug ("serkr" = "Hemd", "ber" = "Bär").

Die Recken wollten damit die Kraft des getöteten Tieres auf sich übertragen. Gelungen ist es ihnen am ehesten mit dem Gestank...

"Berserker" wurden später die Männer genannt, die durch die Fellklamotten so furchterregend aussahen (und rochen), dass man von ihnen sagte, sie könnten kurzzeitig die Bärengestalt annehmen. So ähnlich wie Werwölfe.

Allerdings ist auch eine etwas andere Herleitung möglich, und zwar aus den Begriffen "ber" = "bar, bloß" und "serkr"= "Hemd, Waffenrock", also jemand der "ohne Hemd", d. h. ohne Rüstung, in den Kampf zieht.

Aufschneider
Das ist ja bekanntlich jemand, der unwahre Heldentaten zum Besten gibt würde ja keiner von uns je tun, oder?

Vollständig lautete die Redensart im 17. Jahrhundert: "Mit dem großen Messer aufschneiden". Man gebrauchte diese Formel, wenn einer allzu große Stücke auftischte. Zu der Redensart existieren unzählige Geschichten, in denen mit großen Messern hantiert wird.

Die volle Breitseite
Jemand, der ungebremsten, schonungslosen Attacken ausgesetzt wird, kriegt bekanntlich "die volle Breitseite" ab. Der Begriff stammt aus dem vielseitigen Sprachschatz der Kriegsmarine, als die Kanonen eines Schiffes noch unter Deck aufgestellt waren. Eine "Breitseite" (Englisch: "broadside") bezeichnet das gleichzeitige Abfeuern aller Geschütze auf der dem Gegner zugewandten Seite des Schiffes.

Also schon eine eher deutliche Unmutsbezeugung.

Dalli, Dalli!
Die Redewendung ist nicht alleine durch die klassische Abendunterhaltung mit Hänschen Rosenthal in unser aller Munde.

Die Redensart hat das "flink, flink" aus dem deutschen Wortschatz weitgehend verdrängt. Seinen Ursprung hat das seit dem Ende des 19. Jahrhunderts im deutschen Raum bekannte "dalli" im Polnischen "dalej" = "vorwärts".

Das war ein Danaergeschenk
Ein Geschenk, das einem verdächtig vorkommt, weil es zwar Vorteile mit sich bringt, aber auch Gefahren in sich birgt, wird oft nach Homer "Danaergeschenk" genannt. Wer genau diese Danaer nun waren, ob es ein bestimmter Volksstamm war oder ob er einfach alle griechischen Kämpfer meinte, verschweigt uns Homer allerdings.

Das klassische Danaergeschenk war der bekannte hölzerne Gaul, der eines morgens vor der Touristenhochburg Troja stand.

Der kritische Laokoon warnte damals mit dem Spruch "Was es auch sei, ich fürchte die Danaer, auch wenn sie Geschenke bringen."

Zum Dank wurde er mit seinen Söhnen von Schlangen erwürgt und später in Stein gemeißelt.

Frosch im Hals
Das Amphib im Schlund hat seinen Namen vom medizinischen Fachbegriff "ranula" einer Geschwulst im Hals. Der lateinische Name des Frosches ist ja "rana" daher eignete er sich hervorragend für ein Wortspiel.

Bratkartoffelverhältnis

Der Ausdruck stammt noch aus dem ersten Weltkrieg und bezeichnete damals eine kurzfristige Liebesbeziehung, die besonders wegen der besseren Verpflegungsverhältnisse eingegangen wird.

Heute wird er meist als Synonym zur "wilden Ehe" benutzt.

Jemandem eine Abreibung verpassen
Die "abreybung" ist ein Begriff aus der Tierpflege. Allerdings werden hier die Tiere natürlich nicht verprügelt, sondern gesäubert. Durch Striegeln und Reiben wird das Fell gesäubert.

Der Begriff ist schon seit dem 17. Jahrhundert belegt. Seine heutige Bedeutung, im Sinne von "Bestrafen", hat er wohl erst seit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

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Kunterbunt
Das Wort "kunterbunt" stammt aus dem 15. Jahrhundert und kommt eigentlich von "contrabund" also "Kontrapunkt" (Lateinisch "contra" = "gegen"; "punctus" = "Stechen, Punkt"); es bedeutete auch damals schon "vielstimmig".

Das sind doch olle Kamellen
Damit sind nicht die noch aus dem letzten Rosenmontagszug übrig gebliebenen Süßigkeiten gemeint, sondern Kamillenpflanzen. Wenn man Kamille zu lange lagert gehen Aroma und Heilkraft verloren. Mit den alten Kamillen kann der Apotheker nichts mehr anfangen.

Für Gotteslohn arbeiten
Wenn man von jemandem verlangt, er solle "für Gotteslohn arbeiten", dann meint man nicht einen Lohn, wie ihn ein Gott gibt, sondern einen Lohn, den Gott geben soll (statt des Menschen, der ihn eigentlich bezahlen müsste).

"Für Gotteslohn" bedeutet also in den meisten Fällen "unbezahlt".

Nur nicht hudeln
Nicht vorschnell handeln. "Hudeln" ist ein alter Handwerkerausdruck, der, neben anderen, auch die Bedeutung "schlampige Arbeit" hat. Aus dem Jahre 1741 kennt man die Wendung "die Arbeit schnell weghudeln".

Zum Stamme Ibo gehören
Damit sind Menschen gemeint, die regelmäßig Wendungen wie "ich und die anderen" benutzen. Der Esel nennt sich halt zuerst, klar.

Das "Ibo" ist ein Akronym aus dem englischen "I before others".

Ein echter Dauerbrenner
Ein permanenter Erfolg, vor allem im Showbereich, wird gerne als "Dauerbrenner" bezeichnet. Eigentlich war ein "Dauerbrenner" ein Ofen, der mit lang brennendem Material (Briketts etc.) befeuert wurde. Mit der modernen Zentralheizung verschwand der Ofen, nicht aber die Redensart.

Damit hat er den Rubikon überschritten
Es handelt sich dabei um einen unumkehrbaren Schritt. Der Rubikon ist ein kleiner Fluss in Italien, den Cäsar mit seinen Truppen überquerte, um nach Rom zu ziehen. Damit begann der Bürgerkrieg.

Cäsar prägte bei dieser Gelegenheit noch eine weitere bekannte Redensart: "Alea iacta est!" "Der Würfel ist gefallen!"

Einen Denkzettel bekommen
Im hansischen Recht (15. Jahrhundert) kannte man schon den "Gedenkzettel". Es handelte sich um eine schriftliche Mitteilung des Gerichtes, vergleichbar unserer heutigen Vorladung. Später benutzte man den Begriff allgemein für "schriftliche Mitteilung".

Auch in Jesuitenschulen wurde später Schülern, die irgendwelche schlechten Eigenschaften erkennen ließen, vom Lehrer ein "Denkzettel" ausgehändigt, auf dem der Fehler verzeichnet stand. Der Schüler musste den Zettel ständig bei sich tragen. Da mit dem Denkzettel oft auch, selbstverständlich didaktisch unverzichtbare, körperliche Bestrafungen einhergingen, hat das Wort heute eine eher negative Bedeutung.

Böhmische Dörfer
Unbekannte oder unverständliche Dinge werden schon seit dem 16. Jahrhundert als "Böhmische Dörfer" bezeichnet. Die Deutschen hatten leichte Sprachprobleme mit den Ortsnamen im böhmischen Gebiet, da sie die tschechischen Namen nicht verstehen, geschweige denn aussprechen konnten.

Richtig gebräuchlich wurde die Redensart aber nach dem Dreißigjährigen Krieg. Damals wurde Böhmen derart verwüstet, dass kaum noch unzerstörte Dörfer übrig blieben. Als "Böhmisches Dorf" galt daher auch etwas, das es eigentlich nicht mehr gab.

Eine Fahrkarte schießen
Schützen bezeichnen so einen Treffer, der die Zielscheibe außerhalb der Ringe trifft. Das sieht dann so aus, als hätte ein Schaffner eine Fahrkarte abgeknipst, also entwertet. Trifft der Schütze überhaupt nichts, erhält er die Meldung "Fehlanzeige".

Unter der Fuchtel sein
Jemand der in strenger, sogar erzwungener Ordnung leben muss, lebt "unter der Fuchtel" von jemandem.

Die "Fuchtel" ist eigentlich ein stumpfer, breiter Fechtdegen (daher kommt auch "herumfuchteln" wieder was gelernt), der zum Sinnbild harter militärischer Zucht wurde.

Gang und gäbe
Ein Stabreim, der aus den Worten "gang", also "dem was unter den Leuten umläuft (gängig) ist" und "gäbe", Mittelhochdeutsch "gaebe" = "angenehm, gültig", zusammengesetzt ist.

Damit bezeichnete man ursprünglich die im Umlauf befindliche, gültige Währung. Im Laufe der Zeit wurde der Ausdruck immer mehr für alles, was Sitte oder Brauch, ist angewandt.

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Sich auf den Lorbeeren ausruhen
Dass es nicht gut ist, sich nach einem Erfolg nicht weiter anzustrengen, wusste schon Königin Luise von Preußen. 1808 schrieb sie ihrem Vater: "Wir sind eingeschlafen auf den Lorbeeren." Sie meinte die Erfolge Friedrichs des Großen.

Schema F
Gleichförmige Abläufe sind nach dem preußischen, immer gleich aufzusetzenden Frontrapport benannt der wurde mit "F" bezeichnet.

Gedöns um etwas machen
überflüssiges Getue wird gerne auch als "Gedöns" bezeichnet. Der Ursprung des Wortes liegt in Norddeutschland und geht auf das alte Wort "gedense" = "hin- und herziehen" zurück.

Mit "Getöne", also viel Lärm um etwas machen, hat das also nichts zu tun.

Jemanden mit Rat und Tat unterstützen
Damit meint man, jemandem mit Dingen und Leistungen helfen. "Rat" bezeichnete früher alles, was gut fürs leibliche Leben war. Wir kennen ja noch den "Hausrat", den "Vorrat" und alle möglichen "Geräte".

Alle Jubeljahre
Das Jubeljahr oder "Halljahr" kehrte bei den Israeliten alle 50 Jahre wieder. Es wurde mit Posaunen im ganzen Land bekannt gegeben. Mit dem Brauch sollte der Verarmung der Bevölkerung entgegengewirkt werden, da in diesem Jahr alle Schulden erlassen wurden. Schöner Brauch, gell?

Auch in der christlichen Welt wurde ein solcher Brauch eingeführt. Das Jubel- oder Gnadenjahr sollte sich alle 100 Jahre wiederholen. Der Zeitraum wurde dann aber auf 50, 33 und zum Schluss 25 Jahre verkürzt. Das letzte Jubeljahr war übrigens das Jahr 2000.

Das "jubeln" findet sich auch noch in unserem Begriff "Jubiläum".

Ad kalendas graecas
Gebildete Menschen (und solche, die sich dafür halten) benutzen schon mal diesen Ausdruck, um ein Datum, das niemals eintritt, zu benennen.

Die "Kalenden" waren bestimmte Tage im römischen Monat so wie die "Iden" an denen normalerweise Schulden zurückgezahlt wurden. Die Griechen kannten diese Tage nicht, daher kann es keine "griechischen Kalenden" geben. Und wenn einer seine Schulden an den griechischen Kalenden zurückzahlen wollte, wusste man schon was Sache war.

Heute bemühen wir den "Sankt Nimmerleinstag" als unmögliches Datum. Gerne genommen wurde früher auch der fiktive katholische Feiertag "Mariä Beschneidung".

Jemanden an die Kandare nehmen
Ein Ausdruck für strenges Maßregeln. Die "Kandare" ist eine einteilige Gebissstange am Zaumzeug des Reitpferdes. Sie ermöglicht ein besonders scharfes Zügeln.

Der Begriff "Kandare" kam über das Ungarische ("kantr" = "Zaum") zu uns.

Die heute üblicherweise benutzte "Trense" ist durch ihre Konstruktion für das Pferd angenehmer.

Unter aller Kanone
Darunter versteht man nicht den Boden unter der Artillerie, sondern etwas, das unter jedem "Kanon", d.h. unter jedem Maßstab liegt.

Das Geschütz, die "Kanone" hat seinen Namen übrigens von Italienisch "canna" für "Rohr".

Arm wie eine Kirchenmaus
In Kirchen gibt es keine Vorratskammern. Daher ist die ärmste aller Mäuse eben die Maus, die in der Kirche wohnt. Auch im Französischen sorgt man sich um die "rat dͳglise".

Ein komischer Kauz
Der Kauz, der als Nachtvogel oft gegen die Fenster der auch nachts erhellten Krankenstuben flog, wurde, im Aberglauben, zum Totenvogel, den es zu meiden galt.

Im 16. Jahrhundert wurde der Begriff "Kauz" dann immer mehr zur Bezeichnung für menschliche Sonderlinge oder menschenscheue Außenseiter, die man mit dem "lichtscheuen", bei Tage selten anzutreffenden, Vogel verglich.

Was ist das denn für eine Leichenbittermiene?

Der Leichenbitter hatte, so war es Brauch, die Aufgabe, die Trauergäste zum Begräbnis einzuladen. So wie eine Stewardess berufsmäßig lächelt, hatte ein professioneller Leichenbitter natürlich ein ordentlich betroffenes Gesicht zu machen. Die "Leichenbittermiene" bedeutet heute meistens eine deutlich gezeigte, aber nicht wirklich echte Trauer.

Kapriolen schlagen
Das italienische Wort "capriola" bedeutet "Bocksprung".

Treulose Tomate
Der Vergleich eines unzuverlässigen Zeitgenossen mit dem beliebten Gemüse stammt aller Wahrscheinlichkeit nach aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg.

Es war ein Schimpfwort der Deutschen für die als unzuverlässig und treuebrüchig geltenden Italiener. Da in Italien große Mengen Tomaten angebaut und verzehrt wurden, identifizierte man die Italiener bald mit dem Gemüse. Ein anderer kulinarischer Schmähausdruck für die Südeuropäer war "Treubruchnudeln".

Die Italiener hatten im Ersten Weltkrieg gegen Österreich gekämpft, um einige Grenzgebiete einzugemeinden. Den 1886 geschlossenen Dreibund zwischen Deutschland, Österreich/Ungarn und Italien ignorierten sie dabei ganz einfach.

Mit ihm ist nicht gut Kirschen essen
Die Redensart erklärt sich von selbst, wenn man den vollständigen Wortlaut kennt: "Mit hohen Herren ist nicht gut Kirschen essen, sie spucken einem die Steine ins Gesicht."

Zur Zeit, in der die Redensart entstand, war der Anbau von Kirschbäumen noch auf Klostergärten und Gärten der vornehmen Bevölkerung beschränkt.

Pudelnass sein
Der Pudel muss ja oft für Redewendungen herhalten. Im Niederdeutschen heißt "pudel" ursprünglich "Pfütze" und "pudeln" "im Wasser plantschen".

Der Pudelhund war ein für die Wasserjagd gezüchteter Hund, der "von Berufs wegen" oft klatschnass wurde.

Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper
Klingt so, als wollte Juvenal damals schon ein Fitnessstudio mit angeschlossener Bibliothek aufmachen.

Aber "Roms letzter Dichter" wird normalerweise falsch zitiert. Er sagte: "Man muss bei der Geburt eines Knaben die Götter bitten, es möge in einem gesunden Körper auch eine gesunde Seele wohnen..."

Kein Blatt vor den Mund nehmen
Diese Redewendung spiegelt eine alte Theatersitte wider. Die Schauspieler machten sich unkenntlich, indem sie Blätter vor ihr Gesicht hielten. Sie konnten dann Anliegen vorbringen, ohne später dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden.

 

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